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In eigener Sache:

18.Juni 2009: Wichtige Neuerungen

Am 26. Mai 2009 bin ich aus der SKG/FCI und aus dem SSSC ausgetreten. 

Der Grund für diesen Schritt  besteht darin,  dass im Frühjahr 2008 ein von der Zuchtkommission ausgearbeitetes, von der GV genehmigtes und von der SKG abgesegnetes neues Zuchtreglement in Kraft getreten ist, laut dem neuerdings ein „atypischer Ausdruck“  ein Zucht ausschliessender Grund ist, gegen den kein Rekursrecht mehr besteht.

Das Zuchtreglement des SSSC ist in dieser Form innerhalb der FCI einzigartig und öffnet jeglicher Willkür Tür und Tore. (Alle nicht genehmen Hunde (nicht nur Amis!)können nun aufgrund dieses subjektiven Kriteriums definitiv von der Zucht ausgeschlossen werden!). Ausserdem macht es einmal mehr deutlich, dass  gesundheitliche und Wesenskriterien kaum gewichtet werden.  Nach wie vor sind z.B. MDR1 Test und HD Röntgenbefund nicht Voraussetzung für die Ankörung, sondern bleiben der Freiwilligkeit der einzelnen Züchter überlassen. 

Jedenfalls ist die Absicht des neuen Zuchtreglementes, die Zucht von Amerikanischen Shelties in der Schweiz zu verhindern, unschwer zu erkennen. Dabei mutet es seltsam an, dass es von den Züchtern, die das Zustandekommen dieses neuen Zuchtreglementes aktiv unterstützt hatten, solche gibt, die ihre Hündinnen im Ausland von Amerikanischen Rüden belegen lassen. Damit dürfte deutlich sein, dass hinter der Ablehnung gegen die Amis in der Schweiz andere als sachliche Gründe vorliegen. 

Für mich stand bereits bei der Inkraftsetzung des neuen Zuchtreglementes im Frühjahr 2008 fest, dass ich mir den Gang zur Ankörung fortan ersparen kann. Allerdings waren meine Junghunde Blaze, Gracie und Ruby zu diesem Zeitpunkt noch zu jung, als dass ich sofort eine Entscheidung hätte fällen müssen. So hatte ich nun ein Jahr lang Zeit, die Zukunft unserer Jewels neu zu überdenken und zu gestalten.

Oft liegt es ja in unserer Entscheidung, Steine, die einem in den Weg gelegt werden, als unüberwindbare Hindernisse zu beklagen, oder aber sie als Bausteine für Treppen zu nutzen, die umfassendere Möglichkeiten erschliessen und den Horizont erweitern.  Obwohl der zweite Weg ohne Zweifel der anstrengendere ist, habe ich mich – auch in ganz existenziellen Zusammenhängen – bisher immer dafür entschieden und durfte dabei schon oft die Erfahrung machen, dass sich vermeintliche Stolpersteine im Nachhinein als ungeahnte Chancen entpuppten. (Dies ist in diesem Zusammenhang umso einfacher, als es hier nicht um „das Leben“ sondern bloss um eine Vereinszugehörigkeit geht.)

Ausserdem bin ich zutiefst davon überzeugt, dass überall dort, wo etwas aus tiefstem Herzen und vollster Überzeugung geschieht, die dazu nötigen Türen aufgehen. Sie müssen nur wahrgenommen werden. 

 Mit zunehmender Freude begann ich also im Verlaufe des letzten Jahres, unsere Zukunft neu zu planen, und spürte dabei, dass wieder Raum für Visionen frei wurde. Wie viel Energie war doch in den letzten Jahren gefangen von negativen Emotionen wie Ärger, Enttäuschung, Ohnmacht und dem absurden Zwang, mich für etwas rechtfertigen zu müssen, von dem ich doch zutiefst überzeugt bin, dass es richtig ist!

Zu diesen Visionen gehört für mich an erster Stelle  das, was Martin Luther King wie folgt umschrieben hat: „Wenn einer alleine träumt, so ist es nur ein Traum, wenn viele gemeinsam träumen jedoch der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“ Ich bin überzeugt, dass auch Hundezucht langfristig nur sinnvoll und befriedigend betrieben werden kann, wenn Züchterinnen gemeinsame Ziele formulieren, ehrlich zueinander sind, aufrichtige Anteil am anderen nehmen, sich gegenseitig ermutigen, sich tatkräftig helfen, offen Fehler eingestehen und sich so gegenseitig positiv unterstützen.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten streckte ich meine Fühler in verschiedene Richtungen aus und führte manche Gespräche, die sich z.T. als Irrwege, manche aber auch durchaus als mögliche Chancen entpuppten. Schliesslich stiess ich auf den cdk-Suisse. Nachdem ich ausführliche Gespräche mit Dominique und Martin Amstutz vom cdk-Suisse geführt hatte, war für mich klar, hier unseren künftigen Platz gefunden zu haben. In diesem Verein möchte ich mich nun im oben formulierten Sinne aktiv engagieren.  

Selbstverständlich wird unsere Zucht auch weiterhin kompetent und sorgfältig von CERTODOG kontrolliert. Zu meiner grossen Freude widmete CERTODOG  ihren newsletter vom Dezember 2008 unseren Jewels. Wer sich dafür interessiert, kann ihn als pdf bei mir anfordern.

Meine 2. Vision heisst: Vertiefte kynologische Fachkompetenz. In der heutigen Zeit mit ihrer immer restriktiver werdenden Gesetzgebung, in einer Umwelt, die Hunden gegenüber oft eine niedere Toleranzschwelle zeigt, und im Gespräch mit erfreulicher Weise oft besser informierten und  kritischen Welpeninteressenten sehen sich auch  verantwortungsvolle Züchter  vor neue Herausforderungen gestellt. Sie sollen kompetente Ansprechpartner nicht nur in Zucht- sondern in allen Fragen rund um den Hund sein. Nachdem ich mich schon vor Jahren auf den Gebieten Ethologie und Tierpsychologie (ATN) ausgebildet hatte und mich seit längerem intensiv mit Tierkommunikation beschäftige, drücke ich nun seit diesem Frühjahr wieder intensiv die Schulbank, was für mich die Verwirklichung eines schon lange gehegten Wunsches bedeutet: Bei CERTODOG absolviere ich z.Zt. den einjährigen Hundeinstruktorenkurs (HIK), welcher ein eduqua – zertifizierter Ausbildungsgang und gleichzeitig Basis für weiterführende Ausbildungsmöglichkeiten ist. Daran anschliessend plane ich zusätzliche Weiterbildungen, z.B die Befähigung, meinen Welpenkäufern die obligatorischen  SKN-Kurse anbieten zu können (dies wird voraussichtlich ab Herbst 2010 der Fall sein), oder die Ausbildung zum Wesensrichter nach Certodog Richtlinien.
Neben dieser sehr interessanten  und vielseitigen Ausbildung bereite ich mich z.Zt intensiv auf die Zuchtwartprüfung im Herbst vor.
Da mir Lernen schon immer viel Freude bereitet  hat, verbringe ich nun auch diesbezüglich eine sehr glückliche, erfüllte Zeit: Wann immer es die Umstände zulassen, sitze ich mit meinen Skripten im Garten und bin umgeben von meinen herumtollenden Lieben und wunderschön blühenden und duftenden Rosen. 


22. November 2008: Nachdem ich fristgerecht nach der Ankörung vom 13. Oktober Rekurs gegen den negativen Entscheid  eingelegt hatte und dieser vom Vorstand des SSSC gutgeheissen wurde, bekam Travis heute seine 2. Chance. Er wurde - wie dies im Zuchtreglement für solche Fälle vorgesehen ist - von einer anderen Richterin im Beisein von neutralen Personen ein zweites Mal beurteilt (selbstverständlich nach dem hier geltenden FCI Standard) und wurde mit sg angekört. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich beim Vorstand des SSSC bedanken für die speditive Abwicklung dieser Angelegenheit und v.a. bei  der Richterin Frau Eva Mosimann für ihre sorgfältige kompetente Arbeit. Mich hat sehr beeindruckt, wie sie ihren persönlichen Geschmack von einer objektiven Beurteilung zu trennen wusste.  

        

Gestern - Samstag, der 13. Oktober 2007 -  war ein trauriger Tag für uns. Travis wurde nicht angekört. Nun,  Solches kommt vor. Nicht jeder Hund muss in die Zucht. Deshalb geht die Welt nicht unter. Niemand weiss das besser als ich, denn unsere Hundefamilie besteht aus einem bunten Mix aus angekörten und nicht angekörten Vierbeinern, die alle gleichberechtigt sich des Lebens erfreuen und ihre speziellen Aufgaben erfüllen. Da sind z.B. noch all meine „Senioren“, mit denen ich nun schon viele Jahre erfüllten Lebens teile, wo Vertrauen  bereits gefestigt ist und man sich gegenseitig einfach kennt. Das ist eine zusätzliche Dimension und eine Bereicherung der besonderen Art im Zusammenleben mit Hunden, finde ich. Es dürfte klar sein, dass für mich meine Hunde mehr sind als sog. „Zuchtmaterial“, das dann halt bei Nichteignung weiter verkauft wird….

Hundezucht ist für mich nur ein Teil meines Alltages mit meinen Lieben, und von daher wäre es für mich sehr leicht, mit einem Achselzucken über die gestrige Ankörung wieder zur Tagesordnung über zu gehen. Besonders, da mich dort z.Zt. ganz andere Dinge beschäftigen. Unser bis vor kurzem vor Lebensfreude überschäumende Django, unser vorbildliche Babysitter für alle unsere Hundekinder hat vor zwei Tagen die niederschmetternde Diagnose „Lungenmetastasen“ erhalten. Es ist für mich immer noch unfassbar, dass er bald nicht mehr bei uns sein wird. - Er ist erst fünf Jahre alt. Unsere traurige, schöne und wichtige Aufgabe wird darin bestehen, ihm seine verbleibenden Wochen so schön wie möglich zu gestalten und dann den richtigen Zeitpunkt zu erspüren, um ihn zu erlösen. Ich bin sicher, alle seine Kollegen – angekört oder nicht- werden auch diesbezüglich ihr Bestes geben. 

Besonders auf diesem Hintergrund wären es wirklich Peanuts, dass Travis gestern nicht angekört wurde…. Wenn nicht eben trotzdem eine ganz besondere Tragik damit verbunden wäre.

Auch Travis ist natürlich ein Amerikaner, da ich aus Leidenschaft und mit Überzeugung Amerikanische Shelties züchte.  Der Schweizerische Sheltieclub resp. die jetzige Zuchtwartin samt ihrer Gefolgschaft mag aber keine Amerikaner. Dies hat sie ja u.a. auch an der letzten GV deutlich kundgetan. Im Kurzprotokoll der letzten Gv, welches im Hunde veröffentlicht wurde, stand deutlich zu lesen: "Die Zuchtwartin appelliert an die Züchter und gibt zu bedenken, dass leider vermehrt Shelties aus amerikanischer Abstammung importiert und zur Zucht verwendet werden. Diese Blutlinien entsprechen nicht dem englischen Rassestandard der FCI. Inskünftig wird bei der Ankörung selektiver vorgegangen."

 So habe ich einen sehr schweren Stand. Schon oft habe ich mir gewünscht, dass Dr. Brückner, der ja im Tessin viele Jahre erfolgreich  Amerikanische Shelties züchtete, noch lebte. Da wären wir wenigstens zu zweit! So im Alleingang ist es manchmal schon sehr schwierig….

Es begann bereits bei der Ankörung von Lady anlässlich einer privaten Ankörung im Sommer 2004. Mit Grauen erinnere ich mich an meinen einsamen und unwürdigen Kampf, den ich dort um die Zuchtzulassung von Lady führen musste.  Bereits vor dem Beginn des Richtens tat die Zuchtwartin deutlich Kund: „Wir wollen hier keine weiteren Amerikaner“, was natürlich den gesamten Verlauf der Veranstaltung prägte.  Auf weitere Einzelheiten möchte ich an dieser Stelle verzichten; sie sind mir aber in bleibender Erinnerung.  Mit Ach und Krach wurde Lady dann doch angekört – allerdings mit der Bemerkung im Körschein „Keine Zuchthündin – aber keine Zucht ausschliessenden Fehler“…

All die Freude, die ich bei der Aufzucht der kleinen Jewels und seither im Kontakt mit den Welpenkäufern erleben darf, hat dies alles schon längst mehrfach Wett gemacht, auch wenn mich zuweilen doch noch ein Schaudern überfällt, wenn ich an jene Veranstaltung zurück denke. Aber für mich ist zumindest eines sehr klar geworden: Wer an eine Zuchthündin höhere Anforderungen stellt (z.B. an Konstitution, Instinkt- und Wesenssicherheit etc.) als nur, dass der Standard stimmt (das muss er natürlich auch!), weiss, dass es für eine Züchterin einen absoluten Glücksfall bedeutet, einmal im Leben eine Zuchthündin wie Lady zu besitzen…..

Letzten Herbst verlief die Ankörung diesbezüglich merkwürdig friedlich. Das Unwort „Amerikaner“ fiel kein einziges Mal. Jordan und Bonnie wurden diskussionslos angekört, obwohl Jordan ein typischer Ami ist und Bonnie mit ihren kräftigen Beinchen, ihrem sehr üppigen Haarkleid und dem markanten Unterkieferchen ihre Herkunft auch nicht verleugnen kann. In mir begann bereits Hoffnung aufzukeimen, ob es nun evt. doch möglich würde, dass ich ohne ständigen Kampf einfach auch meinen Platz haben darf, um meine Zuchtziele verfolgen zu können.

 

Wie bereits erwähnt, sind diese Hoffnungen seit der GV 2007 wieder rapide gesunken. Gestern sind meine Befürchtungen nun Wirklichkeit geworden.

Für mich stand das Ergebnis bereits vor Beginn des Richtens fest und erstaunte mich deshalb nicht. Es gibt ja diese Momente der Klarheit, wo man sehr genau spürt, was Sache ist. In diesem Fall ist für mich klar, dass bereits im Vorfeld abgesprochen wurde, dass Travis nicht angekört werden darf. Offizielle Begründung dafür: „Untypischer Ausdruck“ …. Eben halt Amerikanisch….

Worin genau die Abneigung gegen die Amis begründet ist, kann ich nicht erahnen. Nur so viel, dass es ganz bestimmt nicht sachliche Gründe sein können. Sonst wäre es nicht nachvollziehbar, dass die Zuchtwartin ihren Rüden in verdankenswerter Weise zwei Mal zur Verfügung gestellt hat, um meine Amerikanischen Hündinnen zu decken. Als Deckrüdenbesitzerin stimmt man ja normaler Weise  Verpaarungen, die man nicht verantworten kann, nicht zu. Also sind die Gründe wohl eher in den niedrigeren menschlichen Regungen anzusiedeln, die das Zusammenleben in vielen Rasseclubs resp. auch anderen Vereinen schwierig machen. Das stimmt mich besonders traurig.

Bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft, Travis` Züchterin über den traurigen Ausgang zu informieren. Sie, die über Tausende Kilometer immer Anteil nimmt an unserem Zuchtgeschehen, mir schon oft mit guten Ratschlägen zur Seite gestanden  und mir ihren hoffnungsvollen Jungrüden anvertraut hat…. Ich schäme mich einfach zu sehr, dass in der Schweiz  so mit den Amis umgegangen wird!

Wie es nun bei uns weitergehen soll, weiss ich im Moment noch nicht genau. Zwei Dinge sind mir jedoch bereits klar.1. Ich werde mich von nun an offensiver verhalten.  2. Die Amerikanischen Shelties in der Schweiz brauchen eine Lobby. Ich möchte deshalb die Gründung eines Clubs „Freunde des Amerikanischen Shelties“ in Angriff nehmen. Zu gegebener Zeit werde ich Sie über die weiteren Schritte informieren. 


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